🔺Gesetze, Urteile und Zahlen — was sich gerade ändert.
Krankenkasse 2027: Zusatzbeitrag bleibt laut Schätzerkreis stabil, aber individuelle Kassen entscheiden selbst
Der GKV-Schätzerkreis erwartet, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2027 rechnerisch bei 2,9 Prozent bleiben kann. Entscheidend ist jedoch, was die einzelne Krankenkasse tatsächlich festlegt. Im Frühjahr 2026 lag der tatsächlich erhobene Durchschnitt bereits bei 3,13 Prozent. Wer eine Erhöhung bekommt, hat ein Sonderkündigungsrecht. Für Selbstständige gilt ab 2027 außerdem: Krankengeld wird erst nach drei Monaten Wartezeit ausgezahlt.
Krankenkasse erhöht Beitrag – Brief kommt nicht mehr automatisch
Seit Juli 2026 sind gesetzliche Krankenkassen nicht mehr verpflichtet, ihre Mitglieder vor einer Beitragserhöhung persönlich anzuschreiben. Wer nicht aktiv auf Kontoauszüge oder das Onlineportal der Kasse schaut, merkt die Erhöhung möglicherweise erst Wochen später. Das Sonderkündigungsrecht bleibt aber bestehen. Bei einer Erhöhung zum 1. Januar 2027 gilt eine Wechselfrist bis 31. Januar 2027.
3,8 Millionen Haushalte 2025 mit Energierechnungen im Zahlungsverzug
Das Statistische Bundesamt meldet: Im Jahr 2025 lebten rund 3,8 Millionen Menschen in Deutschland in Haushalten, die Strom- oder Gasrechnungen nicht fristgerecht bezahlen konnten. Das entspricht 4,6 Prozent der Bevölkerung. Besonders betroffen sind Miethaushalte, wo der Anteil mit 5,8 Prozent deutlich höher liegt als bei Eigentümerhaushalten (3,3 Prozent). Unbezahlte Energierechnungen sind häufig ein frühes Warnsignal für drohende Überschuldung und ein guter Zeitpunkt für ein erstes Beratungsgespräch.
Kleinunternehmerregelung: Umsatzgrenze jetzt bei 25.000 € – Jahresende prüfen
Seit 2025 gilt die neue Kleinunternehmergrenze. Wer im Vorjahr unter 25.000 € Umsatz lag, bleibt umsatzsteuerbefreit. Bisher lag die Grenze bei 22.000 €. Wichtig zum Jahresende: Wer 2026 die 100.000-€-Grenze im laufenden Jahr überschreitet, verliert den Status sofort, nicht erst im Folgejahr. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, den eigenen Jahresumsatz hochzurechnen und ggf. den Steuerberater zu informieren.
Jahresende naht: Selbstständige sollten Steuerrücklagen jetzt prüfen
Faustregel für Solo-Selbstständige: 35–50 % des Gewinns für Einkommensteuer, Krankenversicherung und Altersvorsorge zurücklegen. Wer 2026 mehr verdient als erwartet, sollte die Vorauszahlungen anpassen. Ansonsten droht im Sommer 2027 eine Nachzahlung auf einen Schlag. Wer Rücklagen aufgebraucht hat und in eine Liquiditätslücke gerät, sollte das Gespräch mit einer Beratungsstelle suchen, noch bevor die ersten Rechnungen liegen bleiben.
Mindestlohn steigt ab 1. Januar 2027 auf 14,60 € – was das für Pfändungen bedeutet
Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 01.01.2027 von 13,90 € auf 14,60 € pro Stunde. Relevant für Betroffene. Die Pfändungsfreigrenze wird jährlich zum 1. Juli angepasst. Der Grundfreibetrag auf dem P-Konto wird dabei automatisch angehoben, ein Antrag ist nicht nötig. Wer jedoch Unterhaltspflichten hat oder Sozialleistungen für andere Personen empfängt, sollte prüfen, ob die P-Konto-Bescheinigung noch aktuell ist, denn der erhöhte Freibetrag greift in diesen Fällen nur mit einer aktuellen Bescheinigung.
Randnotiz: Ohne Unterhaltspflichten liegt der derzeitige Grundfreibetrag bei 1.587,40 Euro monatlich (durch Rundung unpfändbar bis 1.589,99 Euro).
Ab 20. November: Bonitätsprüfung beim Ratenkauf, auch für Kleinbeträge
Mit der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) gilt ab dem 20. November 2026: „Jetzt kaufen, später zahlen | Buy now, pay later (BNPL)" bei Klarna, PayPal & Co. ist rechtlich ein Kredit. Die bisherige Ausnahme für Beträge unter 200 Euro fällt weg. Bonitätsprüfungen werden auch bei Kleinkäufen Pflicht, laut MDR bereits ab 20 Euro. Hinzu kommen ein 14-tägiges Widerrufsrecht und klare Informationspflichten. Wer BNPL häufig nutzt, sollte seine Gesamtbelastung im Blick haben. Anbieter sehen ab November alle aktiven Ratenverträge.
SchuBerDG beschlossen: Schuldnerberatung kann künftig Gebühren verlangen
Bundestag und Bundesrat haben am 25.09.2026 dem Vermittlungsergebnis zum Schuldnerberatungsdienstegesetz (SchuBerDG) zugestimmt. Kern des Kompromisses: Beratungsstellen dürfen künftig begrenzte Gebühren erheben. Kostenlose Angebote bleiben aber möglich. Pflicht ist, dass Beratungsstellen vor Beratungsbeginn transparent über mögliche Kosten informieren. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG-SB) kritisiert, dass fachlich begründete Verbesserungen des Bundestags im Vermittlungsausschuss wieder gestrichen wurden.
Galeria zum 4. Mal insolvent – 12.000 Beschäftigte betroffen
Die Warenhauskette Galeria hat erneut Insolvenz beantragt — zum vierten Mal. Der Betrieb in 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, 12.000 Arbeitsplätze sind gefährdet. Laut Kreditversicherer Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Für betroffene Beschäftigte gilt: Insolvenzgeld sichert bis zu drei Monate Lohn. Wer Fragen zur eigenen finanziellen Situation hat, sollte jetzt das Gespräch suchen.
Destatis 1. Halbjahr 2026: 12.812 Unternehmensinsolvenzen – höchster Halbjahreswert seit 2013
Die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) vom 11.09.2026 zeigen: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 12.812 Unternehmensinsolvenzen beantragt (+6,7 % zum Vorjahr). Der höchste Halbjahreswert seit 2013. Dazu kommen 38.932 Verbraucherinsolvenzen (+2,4 %).
E-Rechnung: Ab 2027 Pflicht für viele, ab 2028 für alle Selbstständigen
Ab 01.01.2027 müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz im B2B-Geschäft E-Rechnungen (XRechnung/ZUGFeRD) ausstellen. Ab 01.01.2028 gilt das für alle. Auch für Solo-Selbstständige und Freiberufler. Ausgenommen sind Kleinunternehmer und Rechnungen unter 250 €. E-Rechnungen empfangen müssen alle bereits seit 01.01.2025. Ein E-Mail-Postfach reicht dafür. Eine PDF-Rechnung gilt ausdrücklich nicht als E-Rechnung.
Rentenkommission 2026: Neue Selbstständige sollen Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rente werden
Die Alterssicherungskommission hat am 23.06.2026 ihren Bericht mit 33 Empfehlungen übergeben. Kernpunkt: Alle Selbstständigen, die ab einem noch nicht festgelegten Stichtag neu starten und nicht anderweitig pflichtversichert sind, sollen ohne Opt-out in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Bereits tätige Selbstständige sollen sich voraussetzungslos befreien lassen können. Die Bundesregierung hat Umsetzungsbereitschaft signalisiert. Ein konkretes Gesetz existiert noch nicht.
Mehr Geld bleibt pfändungsfrei – neue Grenzen seit 1. Juli 2026
Der pfändungsfreie Grundbetrag ist zum 01.07.2026 auf 1.587,40 € netto im Monat gestiegen (vorher: 1.555,00 €). Für die erste unterhaltsberechtigte Person kommen 597,42 € hinzu, für jede weitere 332,83 €. Oberhalb von 4.866,30 € ist das Einkommen voll pfändbar. Der Grundfreibetrag auf dem P-Konto steigt automatisch mit. Wichtig für Selbstständige: Ihr Pfändungsschutz greift nach § 850i ZPO nur auf Antrag beim Vollstreckungsgericht. Wer das nicht weiß, verschenkt Schutz.
EU-Verbraucherkreditrichtlinie tritt am 20. November 2026 in Kraft – verschärft Inkasso & Kleinkredite
Ab dem 20. November gelten strengere Anforderungen bei Kreditwürdigkeitsprüfungen, Zinsobergrenzen und mehr Transparenz. Besonders bei Kleinkrediten und Buy-Now-Pay-Later-Modellen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert parallel schärfere staatliche Inkasso-Aufsicht. Aktuell: RVG-Gebühren für Inkasso seit Mitte 2025 erhöht (1,0-Gebühr: 51,50 € bis 500 €).
Selbstständig in Deutschland: Jede fünfte Solo-Selbstständige verdient weniger als 1.000 Euro netto
Aktuelle Auswertungen zeigen: Rund 20 Prozent der Solo-Selbstständigen erzielen weniger als 1.000 Euro netto im Monat. Ein nennenswerter Teil verdient weniger als den gesetzlichen Mindestlohn (13,90 Euro/Stunde). Gleichzeitig müssen Selbstständige Krankenversicherung, Altersvorsorge und Steuern vollständig aus dem eigenen Honorar bestreiten. Wer Bruttoumsatz mit Nettoeinkommen verwechselt, plant mit fremdem Geld. Die Quittung kommt mit dem Steuerbescheid.
DIW-Studie 2026: Fast jede fünfte selbstständige Person fühlt sich nicht ausreichend für das Alter abgesichert
Eine repräsentative Befragung von 2.000 Selbstständigen durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt: 93 Prozent sorgen zwar in irgendeiner Form für das Alter vor. Doch knapp ein Fünftel fühlt sich nicht ausreichend abgesichert. Besonders betroffen sind Selbstständige mit geringen Einkommen. 7 Prozent betreiben keinerlei Altersvorsorge. Das DIW plädiert für eine gezielte Pflichtversicherung dieser Gruppe sowie staatliche Zuschüsse für Geringverdienende bis 36.000 Euro Jahreseinkommen.
Dispozinsen 2026: Banken verlangen im Schnitt 11,28 % – bei Überziehung bis zu 19,75 %
Eine Verivox-Auswertung von über 6.600 Girokonten auf Basis aktueller BaFin-Daten zeigt: Der durchschnittliche Dispozins liegt bei 11,28 Prozent, in der Spitze bei 15,31 Prozent. Wer den Dispo-Rahmen überschreitet, zahlt bei fast jedem zweiten Konto zusätzlich — bis zu 19,75 Prozent. Wer dauerhaft im Minus steckt, sollte eine Umschuldung prüfen: Ratenkredite mit guten Konditionen kosten oft nur die Hälfte.
BaFin-Umfrage: Jede siebte Person verliert den Überblick über BNPL-Schulden
20 Prozent der Verbraucher zahlen beim Online-Shopping per „Jetzt kaufen, später bezahlen" (BNPL). Eine BaFin-Umfrage zeigt: 14 Prozent haben dabei schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren. Bei den Unter-Dreißigjährigen sind es 24 Prozent. 3 Prozent der BNPL-Nutzenden haben wegen dieser Schulden bereits eine Schuldnerberatung kontaktiert. Ab November 2026 greift die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie, dann gelten Verbraucherschutzregeln auch für kurzfristige BNPL-Darlehen.
Digitalisierung der Zwangsvollstreckung: Neues Gesetz gilt ab 1. Oktober 2026
Der Bundestag hat das Gesetz zur Digitalisierung der Zwangsvollstreckung verabschiedet (BGBl. I 2026/152). Ab Oktober werden Pfändungen und Zustellungen digital abgewickelt.
12.900 Unternehmensinsolvenzen im H1 2026 – höchster Stand seit 2013
Das erste Halbjahr 2026 zählt 12.900 Unternehmensinsolvenzen (+7,8 % zum Vorjahr), mit einer Schadenssumme von 28,5 Milliarden Euro und rund 165.000 betroffenen Arbeitsplätzen.
Branchen-Hotspots: Gastronomie +27 %, Bau +24 %, Dienstleistungen +12,6 %
Die Insolvenzwelle trifft besonders Gastronomie und Beherbergung (plus 27 %), das Baugewerbe (plus 24 %) sowie das verarbeitende Gewerbe. Auch Dienstleistungen und die Kreativwirtschaft sind mit plus 12,6 % deutlich betroffen.
Neuer Schufa-Score 2026: Mehr Transparenz – vzbv sieht offene Fragen
Der neue Schufa-Score nutzt 12 Kriterien auf einer Skala von 100–999 und verspricht mehr Transparenz. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert jedoch, dass die Berechnungslogik weiterhin zu wenig offengelegt wird.
Inkasso 2026: Neue Rechtsprechung zur Kostentransparenz – Pauschalen werden abgewiesen
Gerichte verlangen zunehmend detailliertere Forderungsaufschlüsselungen von Inkassounternehmen – pauschale Positionen werden häufiger abgewiesen. Gleichzeitig gelten erhöhte RVG-Sätze.
BaFin Fokusrisiken 2026: Buy-Now-Pay-Later als neuer Überschuldungstreiber
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) identifiziert BNPL-Produkte und Kleinkreditketten als wachsendes systemisches Verbraucherschutzrisiko. Verschärfte Kreditwürdigkeitsprüfungen wurden eingeleitet.
BGH: Restschuldbefreiung – Klarstellung zu nicht befreiungsfähigen Schulden
Der Bundesgerichtshof hat präzisiert, dass deliktische Forderungen und Unterhaltsrückstände explizit nicht von der Restschuldbefreiung erfasst sind.